Polizei findet Brandbeschleuniger

Hiddenhausen. Bei der Explosion eines Wohnhauses in Hiddenhausen ist am Sonntag (5.04.2020) ein 67-jähriger Mann ums Leben gekommen. Ein weiterer 25-jähriger Hausbewohner zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 13“ in eine Spezialklinik geflogen. Das Unglück hatte sich gegen 7.40 Uhr an der Holtstraße im Ortsteil Oetinghausen ereignet. Feuerwehr und Rettungsdienst waren bereits wenige Minuten später mit rund 80 Helfern vor Ort. Als die Polizei das Haus am Nachmittag näher untersuchte, fand sie Brandbeschleuniger. Die Beamten ermitteln nun, ob der 67-Jährige die Explosion vorsätzlich herbeigeführt hat.

 

Mehrere Anrufer hatten der Kreisleitstelle am Morgen gemeldet, dass es einen lauten Knall gegeben habe und aus dem Einfamilienhaus an der Holtstraße Rauch aufsteige. Die Leitstelle löste daraufhin Großalarm für die gesamte Feuerwehr Hiddenhausen aus. Rettungswagen-Besatzungen der Feuerwachen Herford, Bünde und Löhne eilten zur Unglücksstelle.

 


Am Sonntagmorgen hat sich in einem Einfamilienhaus an der Holtstraße eine schwere Explosion ereignet.

 

Rentner stirbt noch an der Unglücksstelle

Den Einsatzkräften bot sich vor Ort ein schlimmes Bild. Zwei Personen, die sich zum Unglückszeitpunkt in dem Einfamilienhaus aufgehalten hatten, waren bereits nach draußen geflüchtet. Notarzt und Notfallsanitäter versorgten den 25-Jährigen, der sich schwere Brandverletzungen zugezogen hatte. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 13“ in eine Spezialklinik nach Hannover geflogen. Der Rettungsdienst brachte außerdem eine Frau mit Schnittverletzungen ins Klinikum Herford. „Eine weitere Person befand sich noch im Gebäude“, schilderte Einsatzleiter Bernd Gante die Situation. Die Einsatzkräfte machten sich unter schwerem Atemschutz sofort auf die Suche nach ihr und wurden schnell fündig. Zwei Trupps übernahmen die Rettung des 67-Jährigen. Doch für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch an der Unglücksstelle. Durch die Explosion war ein Feuer entstanden, das auf mehrere Räume übergriff. Die Einsatzkräfte konnten die Flammen schnell löschen. Sie fluteten Teile des Gebäudes mit Leichtschaum, um den Brand vollständig zu ersticken. Das Wechsellader-Fahrzeug der Kreisfeuerwehrzentrale mit dem Abrollbehälter „Schaum“ war deshalb ebenfalls ausgerückt. Auf diese Weise habe man das Risiko für die Einsatzkräfte minimiert, sagte Gante. „Denn durch die Wucht der Explosion bestand Einsturzgefahr.“ Kreisbrandmeister Bernd Kröger und Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer machten sich vor Ort ein Bild der Lage.

 


Feuerwehr und …

 


… Rettungsdienst sind mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort.

 

Druckwelle hat große Zerstörung angerichtet

Die Druckwelle war so heftig, dass eine der Außenmauern auf der kompletten Gebäudelänge wegriss. Die meisten Fenster zersplitterten, Innenwände wurden verschoben, Türen aus den Verankerungen gerissen. Ein breiter Riss durchzog den Hausgiebel zur Straßenseite. Das Baufachberaterteam des THW-Ortsverbandes Herford beurteilte vor Ort die Statik des Gebäudes. Das zerstörte Wohnhaus wurde aus Sicherheitsgründen von der Strom-, Gas- und Wasserversorgung abgeriegelt. Vorsorglich waren die Bewohner der Nachbarhäuser ebenfalls evakuiert worden. Sie konnten aber noch am Vormittag in ihre Wohnungen zurückkehren.

Brandermittler des Polizeipräsidiums Bielefeld nahmen unmittelbar nach Abschluss der Rettungs- und Löscharbeiten die Untersuchungen zur Unglücksursache auf. Sie stießen in den Kellerräumen auf Brandbeschleuniger. Des Weiteren gebe es Hinweise darauf, dass es zuvor zu Streitigkeiten innerhalb der Familie gekommen sei, teilten die Polizeibeamten mit. Sie müssen nun klären, ob der 67-Jährige die Explosion selber verursacht hat. Deshalb haben Staatsanwaltschaft und Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen eines versuchten Tötungsdeliktes eingeleitet. Das Kriminalkommissariat 11 der Polizei Bielefeld hat dazu die Mordkommission „Holt“ eingerichtet. Kriminalhauptkommissar Jürgen Kollien leitet die Ermittlungen. Zur weiteren Klärung des Sachverhaltes werde ein Brandsachverständiger hinzugezogen, hieß es am Sonntagnachmittag aus Bielefeld.

 

Von Jens Vogelsang

(Text u. Fotos)


Ein 25-Jähriger, der in Lebensgefahr schwebt, wird mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 13“ in eine Spezialklinik geflogen.

 

 


Das Wechsellader-Fahrzeug der Kreisfeuerwehrzentrale mit dem Abrollbehälter „Schaum“ ist ebenfalls angerückt.

 

 


Die Einsatzkräfte fluten Teile des einsturzgefährdeten Gebäudes mit Schaum,
damit sich die Feuerwehrleute nicht selber unnötig in Gefahr begeben müssen.

 


Ein breiter Riss durchzieht den Hausgiebel.

 


Fenster zersplitterten.

 


Das Baufachberaterteam des THW-Ortsverbandes Herford beurteilt die Statik des Gebäudes.