Vom Ledereimer bis zum Hilfeleistungslöschfahrzeug (Teil 1).

Hiddenhausen Schweicheln-Bermbeck. Als die Feuerwehr Schweicheln-Bermbeck 1896 gegründet wurde, regierte in Deutschland noch der Kaiser. Mut, Tapferkeit, Opferbereitschaft und Kameradschaft zeichneten die Feuerwehrleute der ersten Stunde im besonderen Maße aus. Um den Kampf gegen die „Feuersbrunst“ aufzunehmen, besaßen sie zunächst nicht viel mehr als zwölf lederne Löscheimer. Mit Holzschuhen und Pferdefuhrwerk ging es anno dazumal zum Löscheinsatz.

Heute, 125 Jahre später, leben die Menschen in einer hochtechnisierten Welt. Die  Arbeit der Wehrleute ist wohl gerade deshalb gefährlich geblieben. Eine moderne persönliche Schutzausrüstung sorgt allerdings in Kombination mit der guten Ausbildung für Sicherheit und für (fast) jeden Notfall liegt heutzutage das passende Gerät auf den Feuerwehrfahrzeugen bereit.

Der nun folgende erste Teil der Chronik erzählt vom beschwerlichen Anfang der Wehr und von den Ereignissen während der Kaiserzeit, des 1. Weltkriegs und der Weimarer Republik.

 

Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Deutsche Reich mit immer größeren Schritten vom Agra- zum Industriestaat. Die industrielle Revolution war vor allem von Investitionen in den Eisenbahnbau und die Schwerindustrie geprägt. 1847 nahm die Köln-Mindener-Eisenbahngesellschaft ihre Stammstrecke in Betrieb. Die Dampfzüge machten auch in Herford halt.  Etwa zu jener Zeit entstanden in Deutschland die ersten Feuerwehren im heutigen Sinne. Zuvor gab es bereits sogenannte Turnerfeuerwehren. Die Mitglieder der örtlichen Turnvereine hatten die Techniken des Leitersteigens und den Umgang mit Feuerspritzen geübt und kümmerten sich fortan um den Brandschutz. Als älteste Berufsfeuerwehr in Deutschland gilt die Berliner Feuerwehr, die am 1. Februar 1851 gegründet wurde.

 

Der heilige Florian gilt als Schutzpatron der Feuerwehrleute. (Foto: Laura Bell, Flickr)

 

Brennende Speckseiten fliegen über das Werretal

In Berlin regierte seit 1871 Wilhelm I. als erster Deutscher Kaiser. Die Dörfer Schweicheln und Bermbeck, damals noch selbständige Gemeinden, zählten zur preußischen Provinz Westfalen  und nach der Landgemeindeverordnung zur Amtsverwaltung Herford-Hiddenhausen. Im Sommer des Jahres 1886, also vor nunmehr 135 Jahren, war die Landbevölkerung auf dem Gehöft Brackmann (Freihof) damit beschäftigt, das Getreide zu dreschen. Kinder spielten dabei mit Streichhölzern und entfachten ein Feuer, wie die königlich-preußische Landgendarmerie später ermittelte. Der Brand breitete sich, begünstigt durch den vorherrschenden Westwind, schnell aus. Die eigentliche Katastrophe wurde aber der Überlieferung nach durch „die reichlichen Vorräte an geräuchertem westfälischem Schinken und Speck“ ausgelöst, die in dem Bauernhaus lagerten. Die brennenden Speckseiten sollen durch die enorme Hitze nicht nur auf die Strohdächer der Nachbargehöfte, sondern darüber hinaus über das Werretal bis in die Nachbargemeinde Löhne geflogen sein. Am Ende der gewaltigen Feuersbrunst waren vier Bauernhöfe und mehrere Kotten bis auf die Grundmauern niedergebrannt. 13 Familien hatten ihr Dach über dem Kopf verloren. Über die Hälfte der Einwohner Bermbecks waren plötzlich obdachlos. Doch das Landleben war damals geprägt von Nächstenliebe und einem großen  Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Schweichelner halfen den Bermbeckern, sodass die Obdachlosen ohne Hilfe des Wohnungsamtes untergebracht werden konnten. Wäre so etwas heute auch noch möglich?

 

Als die Wehr Schweicheln-Bermbeck im Jahr 1896 gegründet wird,

regiert in Berlin noch Kaiser Wilhelm I. (Abb.: Wilhelm Kuntzemüller, Wikipedia)

 

Anno 1896 ergreift Heinrich Meier die Initiative 

Das Unglück machte die Bürger nachdenklich. So eine Katastrophe durfte sich auf keinen Fall wiederholen. Doch „gut Ding will Weile haben“. Zehn weitere Jahre gingen ins Land. 1896 fasste schließlich Gemeindevorsteher Heinrich Meier, wohnhaft Schweicheln Nr.2, die Initiative. Vor nunmehr 125 Jahren rief er gemeinsam mit seinen Getreuen, Wilhelm Deppermann, Wilhelm Schröder, Heinrich Wollbrink, Kasper Krömker, Karl Kötter, Johann Reinecke (genannt Schmidts Johann) und Heinrich Auf der Heide, eine Feuerwehr ins Leben. Obwohl Schweicheln und Bermbeck noch eigenständig waren, wurde die Wehr bereits unter dem Namen Schweicheln-Bermbeck gegründet. Heinrich Meier übernahm das Amt des 1. Feuerwehrhauptmanns.

 

Ein paar lederne Löscheimer bilden das „Löschgerät“ der ersten Stunde. (Foto: Nxr-at, Wikipedia)

 Beigefarbene Joppe (Jacke), Lederkappe und Holzschuhe zählen in den Anfangsjahren

zur persönlichen Ausrüstung. (Foto: Feuerwehrmuseum Kirchlengern, Jens Vogelsang)

 

Die Wehr verfügte anfangs nur über eine spartanische Ausrüstung. Viel mehr als zwölf lederne Löscheimer gab es nicht. Um das Nötigste für die Brandbekämpfung zusammenzubekommen, arbeiteten die Ehrenamtlichen der ersten Stunde hart und zeigten viel Opferbereitschaft. Schließlich reichte das Geld, das sie fast ausschließlich aus eigenen Mitteln zusammenbekommen hatten, um im Jahr 1898 eine Handdruckspritze zu kaufen. Mit dem neuen Gerät wuchs das Interesse an der Feuerwehr. Weitere Bürger meldeten sich zum Dienst.

Holzschuhe und Lederkappe gehörten im Kaiserreich zur persönlichen Schutzausrüstung der Feuerwehrleute auf dem Lande. Mit dem Pferdefuhrwerk ging es zum Löscheinsatz. Die Gefahr der Selbstentzündung von Futtermitteln war damals allgegenwärtig. „Sobald das Heu dumpfig wird und einen unangenehmen Geruch ausströmt, ist es gewöhnlich höchste Zeit, es auseinander zu reißen. Geschieht das nicht, dann kann man mit Sicherheit darauf rechnen, dass das Heu in Flammen aufgeht“, warnten die Blauröcke damals. Und weiter: „Die saure Arbeit eines ganzen Jahres, ja der Fleiß eines ganzen Lebens steht augenblicklich auf dem Spiele, wenn plötzlich auf dem Dachfirste der rote Hahn (Anmerk.: Sinnbild für einen Brand) aufflackert!“

 

Mit der pferdegezogenen Handdruckspritze geht es anno dazumal zum Löscheinsatz. Das Foto entstand anlässlich

einer historischen Vorführung der Ehrenabteilung zum Amtsfeuerwehr-Verbandsfest im Jahr 1954

auf dem Sportplatz in Schweicheln-Bermbeck. (Foto: Archiv LZ Schweicheln-Bermbeck)

 

Kurz vor der Jahrhundertwende zog sich Heinrich Meier als Feuerwehrhauptmann zurück, weil er mit der Bewirtschaftung seines Hofes und dem Bürgermeisteramt bereits viel zu tun hatte. Von 1899 an leitete Wilhelm Deppermann die Wehr. Er übergab das Amt 1908 an Heinrich Auf der Heide.

Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, der das Attentat von Sarajevo vorausgegangen war, begann 1914 der 1. Weltkrieg. Am 1. August erklärte das Deutsche Reich Russland den Krieg, drei Tage später auch Frankreich. Fast alle Feuerwehrleute aus Schweicheln und Bermbeck wurden einberufen. Der bis dahin verlustreichste Konflikt der Geschichte hinterließ Millionen Tote. Darunter die Kameraden

 

Heinrich Pott und

Hermann Auf der Heide

 

Im November 1918 gaben Trompetensignale an den Fronten das Ende der Kampfhandlungen bekannt. Unmittelbar darauf schwiegen die Waffen. Kaiser Wilhelm II. dankte ab und ging ins Exil. Die anschließende Novemberrevolution ebnete den Weg für die Weimarer Republik - die erste parlamentarische Demokratie auf deutschem Boden. 

Zurück in der Heimat übernahm Wilhelm Auf der Heide das Erbe seines Vaters als Feuerwehrhauptmann. Im Jahr 1928 entschloss sich die Amtsverwaltung Herford-Hiddenhausen zum Kauf einer Motorspritze, die sie der Wehr Schweicheln-Bermbeck zur Verfügung stellte. Das Unternehmen Fischer aus Görlitz (Sachsen) lieferte die Pumpe, die 800 Liter Wasser in der Minute förderte und als sogenannte Lafetten-Spritze auf einem Anhängerfahrgesell montiert war. Eine  tragbare Motorspritze der Marke „Triumpf“ fertigte das Unternehmen Hermann Koebe aus Luckenwalde (Brandenburg) in den 1920er Jahren für die Feuerwehr des Amtes Herford-Hiddenhausen. Sie ist heute im Feuerwehrmuseum Kirchlengern-Quernheim in Häver ausgestellt. Mit einer Unterbrechung von zwei Jahren, in denen Fritz Generotzky die Wehr führte, übte Wilhelm Auf der Heide das Amt des Feuerwehrhauptmanns bis zum Jahr 1934 aus.

 

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Historischer Löschanhänger der „Freiwilligen Feuerwehr Amt Herford-Hiddenhausen“

aus den 1920er Jahren. (Foto: Feuerwehrmuseum Kirchlengern, Jens Vogelsang)

 

Er ist mit einer Tragkraftspritze Typ „Triumpf“ beladen, die einst das Unternehmen Hermann Koebe

aus Luckenwalde gefertigt hat. (Foto: Feuerwehrmuseum Kirchlengern, Jens Vogelsang)

 

 

Statische Daten aus dem Jahr 1925:

 

Gemeinde Schweicheln

Einwohnerzahl: 2.052

Viehbestand: 58 Pferde, 118 Kühe, 591 Schweine, 221 Ziegen, 21 Schafe, 1.708 Hühner

Gewerbeverzeichnis: 41 Betriebe, darunter die Brauerei „zum Felsenkeller“ (Gebr. Uekermann)

 

Gemeinde Bermbeck

Einwohnerzahl: 353

Viehbestand: 28 Pferde, 121 Kühe, 309 Schweine, 52 Ziegen, 5 Schafe, 573 Hühner

Gewerbeverzeichnis: 6 Betriebe, darunter die Fahrradwerke „Ravensberg“

 

(Quelle: „Schweicheln-Bermbeck: Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ von Werner Siekmann)

 

 

Hinweis:

Teil 2 der Chronik erzählt unter anderem über die gefährlichen Einsätze der Wehrleute in den Bombennächten des 2. Weltkriegs und den Neuanfang unter britischer Besatzung.