Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr Hiddenhausen Schweicheln-Bermbeck
Hiddenhausen. Berufsfeuerwehrleute müssen auf nahezu jeden Notfall vorbereitet sein und sie wissen nie, wo ihre Hilfe als nächstes gebraucht wird. Das macht ihren Job spannend und manchmal auch gefährlich. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Schweicheln-Bermbeck bekamen erst kürzlich einen interessanten Einblick in die Arbeitswelt der hauptberuflichen Retter: Beim Berufsfeuerwehrtag (28.06./29.06.2025) hatte der Feuerwehrnachwuchs über 24 Stunden hinweg realistisch nachgestellte Einsatzszenarien abzuarbeiten. Das Spektrum reichte dabei vom nachgestellten Verkehrsunfall bis zum fiktiven Großbrand.
Am Samstagvormittag ist um punkt 11 Uhr „Schichtbeginn“. Die Jugendfeuerwehrleute stehen in Reih und Glied vor der „Feuerwache“ an der Bahnhofstraße. 15 Jungen und fünf Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren sind mit von der Partie. Sie bilden die „Wachabteilung“ für die nächsten 24 Stunden. „Ihr könnt heute viel lernen und viel erleben“, sagt Jugendwart Dustin Diekmann. Gemeinsam mit Stellvertreter Hendrik Geesmann und dem Betreuerteam hat er den Berufsfeuerwehrtag vorbereitet. Das „Drehbuch“ ist geheim. Von den Jugendlichen ahnt deshalb noch niemand, was in den kommenden Stunden passieren wird. Hilfeleistungslöschfahrzeug 20, Löschgruppenfahrzeug 10 und Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz bilden den Jugendfeuerwehrlöschzug. „Jetzt wird erst einmal festgelegt, wer welche Aufgaben im Einsatzfall zu übernehmen hat“, sagt Dustin Diekmann. Zur Besatzung jedes Autos zählen Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp.
Die „Wachmannschaft“ ist zu „Schichtbeginn“ angetreten.
Zwei Nachwuchsfeuerwehrleute retten einen Mann aus der Werre.
Frau vom Dach gerettet
Noch läuft der Dienst routinemäßig. Die Jugendfeuerwehrmannschaft checkt ihre Ausrüstung und bezieht die „Ruheräume“ im Obergeschoss des Gerätehauses. Schlagartig endet die entspannte Atmosphäre. Der Alarmgong ertönt und per Lautsprecherdurchsage meldet die „Leitstelle“: „Einsatz für die Jugendfeuerwehr!“ Ein Kanufahrer ist in der Werre gekentert, so die angenommene Lage. Der Mann hat sich auf eine Sandbank mitten im Fluss gerettet. Fünf Minuten später ist ein Löschfahrzeug der „Wache Schweicheln-Bermbeck“ vor Ort. Zwei Jugendliche rüsten sich mit wasserdichten Wathosen samt Gummistiefeln aus und bringen den „Kanusportler“ in Sicherheit. Kurz hintereinander erreichen die „Leitstelle“ zwei weitere Notrufe. Auf dem Gelände der Kläranlage „brennt ein Transporter“ und am Müllerweg steht ein Mülleimer in Flammen. Den „Autobrand“ ersticken die jugendlichen Brandschützer mit (Übungs-) Löschschaum und das Abfallgefäß löschen sie mit dem Schnellangriff. Nachdem alle drei Einsatzfahrzeuge wieder eingerückt sind, stärkt sich die gesamte Wachmannschaft beim gemeinsamen Mittagessen. Allerdings währt die Mittagsruhe nur von kurzer Dauer. Für die Mannschaft des Löschgruppenfahrzeugs 10 geht es zum Rathaus nach Lippinghausen, wo die Brandmeldeanlage ausgelöst hat – fehlerhaft, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Dann wird es hecktisch: Eine junge Frau steht auf dem Dach des gegenüberliegenden „Hauses der Jugend“ und ruft um Hilfe, während aus dem Keller künstlicher Rauch dringt. Jetzt wird der gesamte Jugendfeuerwehrlöschzug gebraucht. Jonathan (16) und Tim (14) rüsten sich mit (Übungs-) Atemschutzgeräten aus und rücken in das Gebäude vor, während Miguel (15) und Zoe (12) die Wasserversorgung aufbauen. Andere Jugendliche bringen eine Steckleiter in Stellung, um auf das Dach zu gelangen. Am Ende werden drei Menschen gerettet und der „Kellerbrand“ gelöscht.
Um zwei Personen aus einem Unfallauto zu befreien, kommt hydraulisches Rettungsgerät zum Einsatz.
Mitten in der Nacht steht eine Holzhütte in Flammen.
Holzhaus brennt wie Zunder
Gegen 16 Uhr folgt das nächste Übungsszenario: Eine Radfahrerin ist auf der Dorfstraße gestürzt und hat sich eine stark blutende Wunde am Unterarm zugezogen. Kunstblut und Theaterschminke lassen die Verletzung täuschend echt erscheinen. Maxi (15) und Maximilian (14) leisten Erste-Hilfe und legen einen Druckverband an. Der Rettungsdienst Herford ist ebenfalls schnell vor Ort: Kevin Cieplik und Jannis Reinecke, zwei angehende Notfallsanitäter, sind in den Berufsfeuerwehrtag eingebunden und übernehmen die weitere Versorgung der Patientin. Am späten Nachmittag befreien die Jungfeuerwehrleute zunächst einen eingeklemmten Mann mit Hilfe eines pneumatischen Hebekissens. Dann knacken sie das Schloss einer Wohnungstürattrappe mit Hilfe von Spezialwerkzeug. Gegen 21 Uhr ist erneut höchste Eile geboten: Am Schützenplatz ist ein roter Kleinwagen verunglückt. Zwei Personen, dargestellt von Übungspuppen, sind im Fahrzeug eingeklemmt. Der Jugendfeuerwehrlöschzug ist schnell vor Ort. Die Jugendlichen stabilisieren das Unfallauto zunächst mit Keilen und stellen den Brandschutz sicher. Jona (15) und Marius (15) bedienen den hydraulischen Spreizer mit Hilfe von zwei Betreuern. Nach kurzer Zeit ist die Fahrertür herausgetrennt und eine große Befreiungsöffnung geschaffen. Der „Fahrer“ wird auf ein Rettungsbrett gezogen und weggetragen. Romi (13) und Lola (15) übernehmen anschließend die technische Rettung des zweiten „Patienten“.
Mitten in der Nacht ist auf dem Gelände des Bauhofs an der Ziegelstraße Feuerschein zu sehen. Ein Holzhaus, das die Betreuer zuvor zusammengezimmert haben, steht lichterloh in Flammen. Nochmals rücken alle drei Einsatzfahrzeuge aus. Die Jugendlichen löschen den „Großbrand“ zeitweise mit sechs Strahlrohren. Damit ausreichend Löschwasser zur Verfügung steht, wird eine Schlauchleitung zu einem Unterflurhydrant in 300 Meter Entfernung verlegt. Jugendwart Dustin Diekmann übernimmt die Einsatzleitung. Gegen 0.45 Uhr meldet er: „Feuer aus!“ Während der weiteren Nachtstunden bleibt es ruhig. Sonntagfrüh sind allerdings Nachlöscharbeiten nötig.
Nach dem Frühstück endet die aufregende aber auch anstrengende 24-Stundenschicht. Am Ende fühlen sich einige Jungfeuerwehrleute in ihrem Berufswunsch bestätigt: „Wenn ich groß bin, werde ich Berufsfeuerwehrmann oder -frau!“
Von Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)
Der Angriffstrupp rüstet sich mit Wathosen aus.
Zur Brandbekämpfung wird (Übungs-)Schaum eingesetzt. (Foto: Fabian Stadelmann)
Die Brandmeldeanlage im Rathaus hat ausgelöst: In der Brandmeldezentrale werden erste Informationen gesammelt.
Brandeinsatz mit Menschenrettung am „Haus der Jugend“.
Jugendfeuerwehrleute und …
… Notfallsanitäter-Azubis versorgen eine verletzte Radfahrerin.
Ein Mann ist unter einem Anhänger eingeklemmt. Mit Hilfe eines pneumatischen Hebekissens gelingt es, ihn zu befreien.
„Person hinter verschlossener Tür“: Mit Hilfe von Spezialwerkzeug wird das Schloss geknackt.
Ein roter Kleinwagen ist verunglückt. Als die Feuerwehr eintrifft, steigt Rauch auf.
Geräteablage
Einsatz mit dem hydraulischen Spreizer.

Patientenablage
Ein Trupp übernimmt den Brandschutz.
Mehrere Trupps rücken zur Brandbekämpfung vor.



Jugendwart Dustin Diekmann (r) u. Stellvertreter Hendrik Geesmann.
Jugendliche, Betreuer und Helfer sind zum Gruppenfoto angetreten.
