Gemeinsame Übung der Jugendfeuerwehren aus Hiddenhausen, Enger und Herford
Hiddenhausen Schweicheln-Bermbeck. In Hiddenhausen ist am frühen Freitagabend (12.09.2025) ein PKW mit einem „Gefahrguttransporter“ kollidiert. Die Leitstelle löste daraufhin „ABC-Alarm“ aus. Ein Großaufgebot der Feuerwehr übernahm die „Menschenrettung“ und sicherte mehrere „Chemiebehälter“. Grund zur Sorge bestand allerdings nicht: Es handelte sich glücklicher Weise nur um eine Übung der Jugendfeuerwehr. Beteiligt waren die Nachwuchsgruppen aus Schweicheln-Bermbeck, Herford-Mitte, Elverdissen und Enger.
Gegen 18 Uhr haben sich rund 70 Jugendfeuerwehrleute im Gerätehaus des Löschzugs Schweicheln-Bermbeck an der Bahnhofstraße versammelt. Die Spannung steigt, denn noch ist nicht genau bekannt, welches Szenario das Betreuerteam vorbereitet hat. Kurz darauf löst die „Leitstelle“ Alarm aus. „Am Schützenweg ist es zu einem Unfall gekommen“, sagt Fabian Grün, der die Übung ausgearbeitet hat. „Es soll mehrere Verletzte geben und Gefahrstoff austreten!“ Viele Anwohner Am Kartel haben eigentlich bereits das Wochenende eingeläutet. Doch jetzt herrscht erst einmal große Aufregung, weil zahlreiche Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn die Straße passieren, um den „Unglücksort“ unterhalb des Sportplatzes zu erreichen.

Am Schützenweg in Schweicheln-Bermbeck ist ein PKW mit einem „Gefahrguttransporter“ kollidiert. Einsatzkräfte versorgen den verletzten Lasterfahrer.
Rettung unter CSA
Vor Ort ist die Lage unübersichtlich. Offenbar ist eine Audi-Limousine mit einem LKW zusammengekracht. Zwei PKW-Insassen, sie werden von lebensgroßen Übungspuppen dargestellt, und der Lasterfahrer haben sich Verletzungen zugezogen. Mehrere Behälter sind von der Ladefläche gefallen und dabei leckgeschlagen. Bläuliche Dämpfe, die ein Betreuer mit Pyrotechnik simuliert, steigen auf. Die Gefahrstofftafeln am LKW und die Warnhinweise auf den Kanistern und Fässern lassen nichts Gutes erahnen. Die Feuerwehr arbeite bei einer solchen Lage nach der GAMS-Regel, sagt Einsatzleiter Drees Beckmann. „Sie steht für Gefahr erkennen, Absperren, Menschenrettung und Spezialkräfte anfordern.“ Und genau in dieser Reihenfolge beginnen die Jugendfeuerwehrleute, die Lage abzuarbeiten. Patrick (15) und Lukas (16) von der Jugendfeuerwehr Enger erkunden die Einsatzstelle mit der Wärmebildkamera. In der Zwischenzeit bringen Linus (13) und Maxi (15) von der Jugendfeuerwehr Schweicheln-Bermbeck eine Rettungsplattform am LKW in Stellung, um den Fahrer, der von einem Statisten gespielt wird, zu versorgen. Alle vier Jungen tragen gelbe Einwegoveralls mit Kapuzen. Sie simulieren auf diese Weise das Vorgehen in Chemikalienschutzanzügen. Mit vereinten Kräften gelingt es, den Brummifahrer auf einem Rettungsbrett, dem sogenannten Spineboard, aus dem Gefahrbereich zu bringen. Offenbar sind die „gefährlichen Chemikalien“ auf die Kleidung und Haut des Mannes gelangt. Jugendfeuerwehrleute vom Löschzug Herford-Mitte übernehmen deshalb die Grobreinigung bzw. Notdekontamination des Mannes, der anschließend medizinisch versorgt wird.

Mit einem Hydroschild werden die „giftigen Dämpfe“ zurückgehalten.
Befreiung mit dem Hebekissen.
Die Rettungsmaßnahmen am Audi laufen währenddessen parallel. Der Beifahrer liegt neben dem Auto. Seine Beine sind unter dem Fahrzeug eingeklemmt. Robin (14), Jonathan (16) und Romi (13), die zur Besatzung des Hilfeleistungslöschfahrzeugs aus Schweicheln-Bermbeck gehören, befreien den Verletzten mit Hilfe eines pneumatischen Hebekissens. Grita (15), Elias (11) und Ole (13) von der Jugendfeuerwehr Herford-Elverdissen übernehmen gleichzeitig den Brandschutz mit einem Schaumrohr. Andere Jugendliche erzeugen mit einem Hydroschild eine Wasserwand, um die „giftigen Dämpfe“ niederzuschlagen und ihre weitere Ausbreitung zu verhindern. Schließlich beginnt die Bergung der Chemiebehälter. Mit Hilfe einer Handmembranpumpe fördern Florian (16) und Anton (14) aus Herford die Flüssigkeit aus einem der beschädigten Kanister.
Am Ende sind die Jugendwarte/-innen Dustin Diekmann (Schweicheln-Bermbeck), Jan Rothenroth (Herford-Mitte), Sonja Rulle (Elverdissen) und Christian Lange (Enger) mit den gezeigten Leistungen zufrieden. Mario Daume, Leiter der Feuerwehr Hiddenhausen und Amtskollege Arndt Höpker (Enger) haben den gesamten Ablauf aufmerksam mit verfolgt. „Alle Gruppen haben reibungslos zusammengearbeitet“, sagt Daume. Und Arndt Höpker spricht von einer gelungenen Übung.
Von Jens Vogelsang
(Text und Fotos)

Lageeinweisung durch Einsatzleiter Drees Beckmann (r).

Die Gruppe vom Löschfahrzeug für den Katastrophenschutz erhält ihren Einsatzbefehl.

Warntafeln, die am LKW angebracht sind, geben Hinweise auf die gefährliche Ladung.

Die Einsatzkräfte bauen eine Rettungsplattform auf, um den Lasterfahrer zu versorgen.


Mit vereinten Kräften gelingt die Rettung.

Nach der Notdekontamination erfolgt die weitere medizinische Versorgung des Verletzten.

Jonathan(16) und Marie (13) leisten Erste-Hilfe.

Der Angriffstrupp setzt ein pneumatisches Hebekissen ein, um den verletzten Beifahrer zu befreien.

Patrick (15) und Linus (13) aus Enger (im Hintergrund) erkunden unter „CSA“ die Einsatzstelle mit der Wärmebildkamera, während Maxi (15) und Linus (13) ein Strahlrohr vorgenommen haben.

Bergung der beschädigten Gebinde.

Eine Handmembranpumpe wird in Stellung gebracht.

(v.l.) Florian (16) und Anton (14) saugen den Gefahrstoff ab.

Die Jugendfeuerwehrleute aus Herford kümmern sich um den Aufbau des Dekontaminationsplatzes.

(v.l.) Laticia (16) und Finya (13) aus Enger übernehmen den Brandschutz.

(v.l.) Grita (15) und Ole (13) aus Herford-Elverdissen.

(v.l.) Jannis (17), Jugendwart Christian Lange u. Finja (11) aus Enger „schäumen“ die Einsatzstelle ein, um die Brandgefahr zu minimieren.

(v.l.) Einsatzleiter Drees Beckmann und ELW-Disponent Noel Schuppenat.

Die Gruppenführer ziehen ein positives Fazit.

(Foto: Schmellick Tief- u. Landschaftsbau)

(Foto: Schmellick Tief- u. Landschaftsbau)


Rund 70 Nachwuchsfeuerwehrleute aus Hiddenhausen, Herford und Enger haben an der Übung teilgenommen.
